Yoga und Trauer – Was kann langfristig trösten

Bhavanas – ein Gegenmittel gegen Leid

Wenn Trauer als Ausdruck von Leid unseres ungeklärten Geistes begriffen wird, dann ist die Beruhigung, die Schwächung der Klesas ein Weg zur Heilung, ein Weg zurück in die Freude. Die Klesas gedeihen besonders gut (d.h. Das Leid, die Enge kann besonders intensiv wirken) auf der Basis der Hindernisse, wie sie im YogaSutra beschreiben werden.Im YogaSutra sind im ersten Kapitel verschiedene Hindernisse erwähnt, die wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen zu Leid führen. Diese Hindernisse sind (Antarāyas) sind Anzeichen dafür, dass unser Geist momentan nicht klar ist und wir nicht in uns ruhen: 

Krankheit (als Zustand, der uns belastet)

Trägheit (sich nicht aufraffen können)

Zweifel (sich nicht entscheiden können) 

Hast (unbesonnen und ohne die nötige Sorgfalt handeln)

Faulheit (Vorhaben immer wieder aufschieben)     

Abgelenktheit (in alle Richtungen zerstreut sein)

Fehleinschätzung (z.B. eine Überbewertung, die uns die Wahrheit nicht sehen lässt)

Fehlende Zielstrebigkeit (zu früh aufgeben, sich nicht genug zutrauen)

Unbeständigkeit (im Üben zwischen Beharrlichkeit und Vernachlässigung schwanken)

Da der Mensch nicht gerne leidet, wird er versuchen sich aus dem Leid zu lösen. Und bei diesem Prozess sind die Bhavanas als Gefühlsqualitäten, welche die Einheit fördern eine große Hilfe. Sie wohnen jedem Mensch inne und könne durch beharrliches Üben gepaart mit Gleichmut gestärkt werden.

 Es folgen ein paar Ideen zum ersten Bhavana – Maitri, die Sriram in seiner Interpretation des YogaSutra mit Freundlichkeit und Liebe bezeichnet.

Hierbei ist aber nicht die partnerschaftliche Liebe gemeint, sondern z.B. das tiefe freudige Gefühl, das entsteht, wenn einem anderen Menschen etwas Schönes passiert. Liebe im Sinne von Mitfreuen, wenn es jedem Menschen gut geht.
Positive Gefühle beim Anblick des Glücks Anderer. Maitri ist ein starkes Gegenmittel gegen Neid und Eifersucht. Wenn wir Maitri pflegen ( z.B. auch durch eine freudige und liebevolle Einstellung zu unserer Übungspraxis) kann das unsere Fähigkeit zu lieben insgesamt positiv beeinflussen.
Ein Geist, dessen Blick weniger durch Neid, Eifersucht und Missmut verschleiert ist, hat bessere Chancen, das Schöne, das der Welt innewohnt zu erkennen.
Das zweite Bhavana – Karuna, die Sriram in seiner Interpretation des YogaSutra mit Mitgefühl bezeichnet.

Hierbei ist nicht Mitleid gemeint, nicht das unproduktive Bedauern von Unglück und Missständen. Es geht ganz konkret darum, was kann ich tun, Leid, welches Du in deiner Nähe wahrnimmst zu lindern. Dabei sollten aber auch deine eigenen Grenzen nicht aus den Augen verloren werden.
Es geht um die Frage, was kannst Du tun in einer ganz konkreten Situation. Die Beantwortung dieser Frage klärt den Geist, ermächtigt dich zu liebevollem Tun statt der Hilflosigkeit des reinen Mitleids.Der Blick auf das Leid, welches Du helfen kannst zu lindern, richtet den Geist auf eine konkrete Aufgabe. Er löst sich so aus der Anhaftung und Bewertung von Misständen, die nicht deine Aufgabe sind zu lösen oder die deine Kräfte übersteigen.
Wichtig ist das das Praktizieren von Karuna auf wirklichem Mitgefühl beruht, also authentisch und ehrlich ist. Nicht aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus oder der Wahrnehmung durch Andere solltest Du handeln.
Im nächsten Beitrag werde ich auf die weiteren Bhavanas eingehen….