Yoga und Trauer

Der Tot bedeutet gar nichts.
Ich bin nur unbemerkt in einen anderen Raum gegangen.
Ich bin ich und du bist du.
Was immer wir füreinander waren
das sind wir immer noch.
Nennt mich bei meinem vertrauten Namen,
sprecht mit mir so locker
wie ihr es immer getan habt.
Verändert euern Tonfall nicht,
stellt keine gezwungene Miene des Ernstes zur Schau.
Lacht wie wir immer gelacht haben
über die kleinen Spässe, die unsere eigenen waren.
Spielt, lächelt, denkt an mich, betet für mich.
Benutzt meinen Namen so selbstverständlich
wie ihr es immer getan habt.
Sprecht ihn ohne Anstrengung aus,
ohne den leisesten Schatten darin.
Das Leben bedeutet das, was es immer getan hat,
es ist das gleiche, das es immer war.
Es besteht ungebrochene Kontinuität.
Warum sollte ich nicht mehr in euern Gedanken sein,
nur weil ihr mich nicht mehr sehen könnt?
Ich warte auf euch,
ganz in der Nähe,
nur um die Ecke.
Alles ist gut.

Henry Scott Holland

 

Ich habe im vorletzten Monat meinen ältesten Freund verloren…. verloren in dem Sinne dieses Textes…er ist noch ganz in der Nähe aber eben nicht mehr auf einer körperlichen Ebene erreichbar…. Diesen Text hat seine Schwester am Grab vorgetragen, er hat mich auf tröstliche Weise bewegt.

Und darum trauere ich, Schmerz über den Wandel, der mir das Gefühl des Verlustes beschert hat. Ich weiß, ich bin damit nicht alleine, nicht bei diesem einen Menschen und schon gar nicht, wenn man sich all die Menschen vergegenwärtigt, die jetzt gerade auch einen Menschen verloren haben…

Aber warum trauern wir, warum fällt uns dieser eine Abschied, der einzige, der wirklich jeden betrifft, so schwer? Und noch wichtiger, wie kann es gelingen, dass es uns leichter fällt, damit umzugehen. Ich will damit weder Tod noch Trauer bagatellisieren, sondern nur versuchen, das Leid, was darin liegt, in diesem Beitrag zu benennen und in späteren Beiträgen Ideen aus dem Yoga zu skizzieren, die Linderung anbieten können.

Das Leid, das der Trauer innewohnt gründet sich auf dem Widerstand gegen den Wandel. Ab einem gewissen Alter ist jedem klar, dass jeder Mensch sterben wird, trotzdem fühlen wir uns vom Leben oft betrogen, wenn es einen uns wichtigen Menschen betrifft. Und es ist oft egal, ob es überraschend war oder abzusehen, nach langem Leid oder mitten aus dem Leben heraus. Uns wird etwas weggenommen, entführt in eine andere Ebene des Seins.

Dieser Wandel heißt in der Yogaphilosophie Parinama….

Er betrifft die gesamte materielle Welt und ist allgegenwärtig. Er verläuft nur oft so subtil und für unsere Beobachtung langsam, dass wir das Gefühl bekommen können, einiges bleibt so wie es ist. Mit dem Werden eines Menschen beginnt aber auch schon seine Veränderung bis hin zu dem Abschied, den er von dieser Form des Seins nehmen wird. Es ist darum wichtig anzuerkennen, dass dieser Wandel nicht in meinen Händen liegt. Das etwas geschieht, das ich nicht verändern kann, weil es der stofflichen Welt innewohnt. Was ich aber verändern kann ist der Umgang mit Parinama.

Wie begegne ich nun aus Sicht des Yoga der Trauer? Trauer ist oft Leiden, Leiden erzeugt Enge, Dukha genannt…Und hier setzen die Ideen aus dem YogaSutra nach Patanjali an: Sie bieten eine umfangreiche Sammlung von Ideen an, wie der Umgang mit Leid verändert werden kann.

 

Ich werde in zukünftigen Beiträgen Bezug auf diese Ideen nehmen….

Bis bald….